1. Vorwort
Kaum eine Komponente beeinflusst deinen PC so stark wie das Mainboard. Es legt fest, welche Ryzen-Generation überhaupt in deinen Sockel passt, wie schnell und wie viel Arbeitsspeicher angesprochen werden kann und wie viele M.2-SSDs mit welcher PCIe-Anbindung Platz finden. Wenn du ein neues System planst oder ein bestehendes aufrüsten willst, solltest du nicht nur auf die CPU schauen, sondern das Mainboard mit ähnlicher Sorgfalt auswählen.
In dieser Kaufberatung zeigen wir dir die besten AMD-Mainboards für alle Preisklassen, vom preisbewussten Einstieg bis zum High-End-Board zum Übertakten. Bei AMD stehen dir aktuell zwei Sockel zur Wahl: der ältere AM4-Sockel, für den AMD vor kurzem erst einen der beliebtesten Prozessoren wieder zurückgebracht hat, und die aktuelle AM5-Plattform, die AMD noch über mehrere Jahre mit neuen Ryzen-Generationen versorgen will. Ein Vorteil gegenüber Intel: AMD erlaubt bei nahezu jedem Chipsatz das Übertakten per Multiplikator, sodass du selbst mit einem günstigen B-Chipsatz nicht zwangsläufig auf diese Möglichkeit verzichten musst. Wenn du jedoch das letzte bisschen Leistung und die stabilste Spannungsversorgung willst, bist du mit einem X-Chipsatz besser bedient.
Bei der Auswahl der Boards haben wir neben der reinen Ausstattung vor allem auf eine für die jeweilige Preisklasse angemessene Spannungsversorgung geachtet, denn zu schwach ausgelegte VRMs (Voltage Regulator Module) bremsen vor allem starke CPUs früher oder später aus. Ebenso eingeflossen sind die Menge und Geschwindigkeit des unterstützten Arbeitsspeichers, die Anzahl und PCIe-Generation der verbauten M.2-Steckplätze, die Netzwerkanbindung per LAN und WLAN sowie die verfügbaren USB-Anschlüsse inklusive USB-C und bei den neueren Boards USB4.
Alle Mainboards in dieser Kaufberatung setzen auf den ATX-Formfaktor, der nach wie vor die beliebteste Größe für Gaming- und Allround-PCs ist und in praktisch jedes gängige Gehäuse passt. Egal, ob du ein schlankes Einsteiger-System zusammenstellen oder eine High-End-Maschine bauen möchtest, für jede Preisklasse findest du hier eine passende Empfehlung.
Und falls du auch noch auf der Suche nach anderen empfehlenswerten Komponenten für deinen PC bist, geht es hier zu unseren anderen Kaufberatungen:
- Zur GPU Kaufberatung: Die besten Grafikkarten!
- Zur CPU Kaufberatung: Die besten Prozessoren!
- Zur SSD Kaufberatung: Die besten SSDs!
- Zur RAM Kaufberatung: Die besten Arbeitsspeicher!
- Zur CPU-Kühler Kaufberatung: Die besten CPU-Kühler!
- Zur PC-Gehäuse Kaufberatung: Die besten PC-Gehäuse!
- Zur AiO Kaufberatung: Die besten AiO Wasserkühlungen!
- Zur Wärmeleitpasten Kaufberatung: Die besten Wärmeleitpasten!
- Zur Intel Mainboard Kaufberatung: Die besten Intel Mainboards

2. AM4 Einsteiger: ASRock B550 Phantom Gaming 4
Für ein günstiges AM4-System ist das ASRock B550 Phantom Gaming 4 eine gute Wahl, zum Beispiel für ein Upgrade mit einem Ryzen-5000-Prozessor. Der Arbeitsspeicher läuft als DDR4 und lässt sich über vier Steckplätze auf bis zu 128 GB bestücken. Für die Grafikkarte steht ein PCIe-4.0-x16-Steckplatz bereit. Zwei M.2-Steckplätze nehmen schnelle SSDs auf, dazu kommen sechs SATA-Anschlüsse für klassische Laufwerke. Ein WLAN-Modul fehlt, dafür ist ein Gigabit-LAN-Port von Realtek fest verbaut. Die Kühlung der Spannungsversorgung fällt einfach aus, reicht aber für alle kompatiblen Ryzen-Prozessoren aus, sofern nicht übertaktet wird. Auf der Rückseite gibt es sechs USB-3.2-Gen1-Anschlüsse sowie sechs 4-Pin-Anschlüsse direkt auf dem Motherboard. Insgesamt ist das Phantom Gaming 4 eine unkomplizierte und günstige Basis für ein AM4-System.

3. AM4 Mittelklasse: GIGABYTE B550 AORUS Elite AX V2
Wenn du bei AM4 etwas mehr Ausstattung möchtest, findest du im GIGABYTE B550 AORUS Elite AX V2 ein gutes Upgrade. Das auffälligste Extra gegenüber dem Einsteiger-Board ist die Funkausstattung: WLAN 6E und Bluetooth 5.2 sind fest verbaut, dazu kommt eine schnelle 2,5-Gigabit-LAN-Buchse. Beim Speicher gibt es zwei M.2-Steckplätze, wobei Slot 1 über die CPU angebunden ist und über eine PCIe-4.0-Anbindung verfügt und Slot 2 an den Chipsatz angebunden ist und eine PCIe-3.0-Anbindung hat. Der Arbeitsspeicher bleibt bei DDR4 mit vier Steckplätzen und bis zu 128 GB Kapazität. Die Spannungsversorgung mit 12+2 Phasen ist kräftiger ausgelegt als beim Phantom Gaming 4 und ermöglicht damit auch die Übertaktung von Ryzen-9-Prozessoren. Ein USB-C-Anschluss und zwei schnelle USB-3.2-Gen2-Ports sowie insgesamt fünf 4-Pin-Anschlüsse runden die Ausstattung ab. Wenn du dein AM4-System noch länger nutzen und dabei nicht auf moderne Anschlüsse verzichten willst, ist das AORUS Elite AX V2 eine optimale Wahl.

4. AM5 Einsteiger: GIGABYTE B650 Gaming X AX V2
Der Umstieg auf AMDs aktuelle Plattform AM5 muss nicht gleich teuer sein. Das GIGABYTE B650 Gaming X AX V2 bietet dafür einen AM5-Einstieg eine solide Basis. Der Arbeitsspeicher läuft mit DDR5 über vier Steckplätze und lässt sich auf bis zu 256 GB ausbauen. Die Grafikkarte wird mit vollem PCIe 4.0 x16 angebunden. Für SSDs stehen drei M.2-Steckplätze bereit, einer davon mit PCIe 5.0, die anderen beiden mit PCIe 4.0. Netzwerkseitig sind WLAN 6E, Bluetooth 5.3 und eine 2,5-Gigabit-LAN-Buchse mit an Bord. Die Spannungsversorgung ist ausreichend und passt gut zu sparsameren bis mittelklassigen Prozessoren der AM5-Serie. An Anschlüssen gibt es einen USB-C-Port sowie einen schnellen USB-A-Port mit bis zu 10 Gbit/s, dazu fünf 4-Pin-Anschlüsse. Wenn du ohne großes Budget auf AM5 setzen möchtest, bist du mit dem B650 Gaming X AX V2 gut bedient.

5. AM5 Mittelklasse: ASUS TUF Gaming B850-Plus WIFI
Etwas mehr Leistungsreserven bietet dir das ASUS TUF Gaming B850-Plus WIFI, das Mainboard versorgt auch stromhungrigere Ryzen-Prozessoren zuverlässig ohne Probleme. Der DDR5-Speicher lässt sich über vier Steckplätze auf bis zu 256 GB erweitern. Für die Grafikkarte steht ein PCIe-5.0-x16-Steckplatz bereit, dazu kommen drei M.2-Steckplätze, von denen der oberste ebenfalls mit PCIe 5.0 angebunden ist. Bei der Funkausstattung ist ASUS bereits einen Schritt weiter als die Einstiegsklasse. WLAN 7 und Bluetooth 5.4 sind vorhanden sowie eine 2,5-Gigabit-LAN-Buchse. Die Anschlussvielfalt fällt großzügig aus, mit einem USB-C-Port mit bis zu 20 Gbit/s auf der Rückseite und einem zusätzlichen USB4-Header. Insgesamt sieben 4-Pin-Anschlüsse erlauben auch eine aufwendigere Kühlung mit mehreren Lüftern oder einer Wasserkühlung. Für die meisten aktuellen Gaming-Systeme mit AM5-Prozessor bietet das TUF Gaming B850-Plus WIFI dir auch ausreichend Reserven für die Zukunft.

6. AM5 Oberklasse: GIGABYTE X870E EAGLE X3D WIFI7
Mit dem X870E-Chipsatz stellt das GIGABYTE X870E EAGLE X3D WIFI7 die Oberklasse dar und bringt dir entsprechend viel Ausstattung mit, ohne dabei auf auffällige RGB-Beleuchtung zu setzen. Der DDR5-Arbeitsspeicher läuft über vier Steckplätze mit bis zu 256 GB und erreicht im übertakteten Betrieb bis zu 9.000 MT/s. Für Speicher stehen dir gleich vier M.2-Steckplätze bereit, einer mit voller PCIe-5.0-Anbindung, die übrigen drei mit PCIe 4.0. Bei der Netzwerkanbindung gibt es eine 5-Gigabit-LAN-Buchse sowie WLAN 7 und Bluetooth 5.4. Das Mainboard bringt zwei USB4-Ports mit bis zu 40 Gbit/s mit sich, dazu kommen weitere USB-3.2-Anschlüsse und insgesamt acht 4-Pin-Anschlüsse. Die Spannungsversorgung ist kräftig genug für die aktuell stärksten Ryzen-Prozessoren, wie die beliebten X3D-Modelle mit ihrem großen 3D-V-Cache. Wenn du ein leistungsstarkes Gaming-System bauen möchtest, das auch in einigen Jahren noch mithalten soll, findest du im GIGABYTE EAGLE X3D WIFI7 eine perfekte Wahl.

7. AM5 High-End: ASRock X870E Taichi OCF
Das ASRock X870E Taichi OCF richtet sich nicht an den durchschnittlichen Gaming-PC, sondern an alle, die beim Übertakten an die Grenzen gehen wollen. Bewusst sind nur zwei statt vier Speicherplätze verbaut. Das verkürzt die Signalwege und erlaubt besonders hohe Taktraten. Je nach Prozessor sind offiziell bis zu 10.400 MT/s möglich, die Kapazität des RAM liegt hier bei bis zu 128 GB. Bei der Erweiterung zeigt sich das Board großzügig: Zwei PCIe-5.0-x16-Steckplätze nehmen mehrere schnelle Erweiterungskarten auf, dazu kommen sechs M.2-Steckplätze, zwei davon mit PCIe 5.0. Die Spannungsversorgung mit massiven Kühlkörpern gehört zu den stärksten, die aktuell für AM5 erhältlich sind. An Anschlüssen gibt es zwei USB4-Ports mit bis zu 40 Gbit/s, sieben weitere schnelle USB-3.2-Gen2-Anschlüsse und sieben 4-Pin-Anschlüsse für aufwendige Kühllösungen. WLAN 7 und eine 5-Gigabit-LAN-Buchse runden die Ausstattung ab. Wenn du beim Übertakten das Maximum aus deiner Hardware herausholen willst, dann ist das Taichi OCF die passende Plattform. Für ein normales Gaming-System hingegen ist es überdimensioniert.
8. Fazit
Die Wahl des passenden AMD-Mainboards beginnt beim Sockel. AM4 ist zwar technisch nicht mehr die neueste Plattform, bleibt aber dank der breiten Auswahl an günstigen und teils gebrauchten Ryzen-Prozessoren eine attraktive Option, etwa für ein kostenbewusstes System oder als Upgrade eines vorhandenen PCs. AM5 ist demgegenüber die aktuelle und langfristig unterstützte Plattform. AMD hat mehrfach betont, den Sockel über mehrere Ryzen-Generationen hinweg beizubehalten, wodurch sich zukünftige CPU-Upgrades ohne neues Mainboard realisieren lassen sollten. Dafür liegt der Einstiegspreis spürbar höher als bei AM4.
Bei den Chipsätzen gilt grob: B-Chipsätze wie B550 und B850 reichen für die überwiegende Mehrheit der Nutzer völlig aus und erlauben bei AMD anders als bei Intel das Übertakten per Multiplikator, wobei eine gute Spannungsversorgung aber vorausgesetzt sein muss. X-Chipsätze wie X870E bringen zusätzliche Anschlüsse, mehr PCIe-Lanes und in der Regel eine kräftigere Spannungsversorgung mit, was sich vor allem bei den leistungshungrigsten Prozessoren bemerkbar macht. Die Spannungswandler, kurz VRMs, wandeln die vom Netzteil gelieferte Spannung in das um, was der Prozessor tatsächlich benötigt. Unter Dauerlast entsteht dabei Wärme, und zu schwache oder unzureichend gekühlte VRMs zwingen das Mainboard irgendwann dazu, die Taktrate zu drosseln. Ein solide dimensionierter Kühlkörper sorgt dafür, dass gerade die stromhungrigeren X3D- und Nicht-X3D-Modelle ihren Takt auch über längere Zeit halten können. Bei Einsteiger-Boards, die üblicherweise mit sparsameren CPUs kombiniert werden, reicht eine einfachere Kühlung dagegen meist aus.
Ähnliches gilt für Arbeitsspeicher und Erweiterungssteckplätze: DDR5 bietet gegenüber DDR4 nicht nur höhere Geschwindigkeiten, sondern auch größere Gesamtkapazitäten, was sich vor allem beim Multitasking oder in Streaming-Szenarien positiv bemerkbar macht. Für reines Gaming sind 32 GB in der Regel ausreichend. Ein PCIe-5.0-Steckplatz verdoppelt gegenüber PCIe 4.0 die theoretische Bandbreite, wovon aktuelle Grafikkarten noch kaum profitieren, zukünftige Generationen aber durchaus. Bei M.2-SSDs zeigt sich derselbe Sprung: Ein Steckplatz mit PCIe-5.0-Anbindung ermöglicht doppelt so hohe Übertragungsraten wie PCIe 4.0, was sich besonders beim Kopieren großer Dateien oder beim Laden anspruchsvoller Spiele bemerkbar macht.
Bei den externen Anschlüssen lohnt sich ein genauer Blick auf die Beschriftung. USB-C-Ports mit 20 Gbit/s sind deutlich schneller als klassisches USB-A mit meist 5 bis 10 Gbit/s und eignen sich daher besonders für externe SSDs. USB4 geht noch weiter und erlaubt dir mit bis zu 40 Gbit/s zusätzlich den Anschluss von hochauflösenden Monitoren über denselben Port. Diese Funktion wird bei Intel-Mainboards meist Thunderbolt genannt, funktioniert technisch aber ähnlich. Bei der WLAN-Anbindung sorgt WLAN 7 gegenüber WLAN 6E vor allem für höhere Übertragungsraten und weniger Störungen in Umgebungen mit vielen Funknetzwerken. Für eine stabile Verbindung in den meisten Wohnungen genügt aber auch WLAN 6E problemlos.
Alle in dieser Kaufberatung vorgestellten Mainboards nutzen den ATX-Formfaktor mit einer Größe von rund 305 × 244 Millimetern, der gängigsten Größe für Mainboards. Er passt in praktisch jedes Midtower- oder Fulltower-Gehäuse und bietet gegenüber dem kompakteren Micro-ATX in der Regel mehr Steckplätze sowie mehr Platz für eine großzügigere Kühlung der Spannungsversorgung. Etwas mehr Bauraum im Gehäuse solltest du dafür einplanen, was bei den meisten gängigen Gehäusen aber kein Problem darstellt. Nur bei besonders kompakten Builds lohnt sich vorab ein Blick auf die genauen Maße.
